Autorarchive: Johann Jenewein

Alex Beer: Unter Wölfen

Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein, der ständig in Angst um seine Familie lebt, bittet eine Widerstandskämpferin um Hilfe. Doch ihre Gegenforderung ist hart: Isaak soll die Gestapo infiltrieren und sich dazu als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgeben – jenen Mann, der vom Führerhauptquartier beauftragt wurde, den Mord an einer berühmten Schauspielerin aufzuklären. Was niemand weiß: Der Kriminalist hat den Anschlag, den die Widerstandsgruppe auf ihn verübt hat, überlebt. Mitten unter Wölfen zieht sich das Netz immer weiter zu und die Gefahr, enttarnt zu werden, ist allgegenwärtig …

In unserer Bücherei seit 31.01.2020

Lesung mit Judith W. Taschler am 18.01.2019 im 10er-Haus

Auf Einladung der Bücherei Inzing las die in Innsbruck lebende Autorin aus ihrem neuen Buch “David”.

„Fremd wäre sie überall, da konnte sie es auch hier sein“, heißt es in Taschlers virtuos verschachteltem Roman, den man ungern wieder aus der Hand legt. Zum einen treibt den Leser die Neugierde an: Welche Geheimnisse stecken hinter den verwitterten Bruchstücken des vermeintlichen Für-immer-Schwurs? Ist es tatsächlich nur ein Zufall, dass Jans Adoptivmutter just dort starb, wo Magdalena einst tiefglücklich und todtraurig war? Und was hat es mit den Bindungsängsten der beiden Protagonisten auf sich? Das Verschlingen von Taschlers fünftem Roman hat aber auch praktische Gründe: Wer das Beziehungspuzzle nicht in einem Zug durchliest, der läuft Gefahr, den geschickt verdrehten Erzählfaden zu verlieren. Taschler, die wie ihr Romanheld Jan selbst bei Adoptiveltern aufwuchs, drängt ihre Leser sanft in die Rolle des Detektivs, der zwischendurch auch einmal zurückblättern muss, um das von Perspektivenwechseln und Zeitsprüngen durchzogene Geflecht in allen Details zu durchschauen. Man tut es mit Genuss, weil Taschler greifbare Figuren zeichnet, die lebendige Bilder im Kopf entstehen lassen.
Quelle: Tiroler Tageszeitung